Dec 22, 2015

Ein Fashionblog, ein Résumé.

 
Ich bin ein Follower. Dank des World Wide Web folge ich Bloggern überall hin. Instagram und Snapchat machen es so leicht. Was ziehen Blogger an, was essen Blogger, welchen Sport machen Blogger, wohin reisen Blogger, wo feiern Blogger?
 
Der Weblog ist innerhalb kürzester Zeit zu einem, man möchte fast sagen „überlebenswichtigen“ Tool der heutigen Gesellschaft geworden. Die Grundidee war es, ein persönliches Interesse auszuleben, festzuhalten und es mit anderen zu teilen. So geschehen bei einer der Urgründerinnen der Szene. Chiara Ferragni. Ein junges Mädchen mit einer Leidenschaft für Mode.

Zugegeben. Ein sehr wohlhabendes junges Mädchen, mit den wünschenswerten Modelmaßen, einem Hobbyfotografen als Freund und einem elfengleichen Gesicht. Chiara Ferragni hat alles, was sich junge Mädchen in der Pubertät so wünschen. Und damit bot sie ihrem Publikum auch alles, was es sich wünschte. Chiara ließ ihre täglichen Outfits ablichten und stellte sie ins Netz. Dazu ein paar ganz private Impressionen ihres ach-so-perfekten-Lebens. Mal ein paar Bilder der Familie, mal die Hunde, mal der Freund. Man hatte das Gefühl, dieses wunderschöne Italienische Mädchen wird einem zur Freundin. Man wusste doch so viel über sie. Die Art und Weise wie Outfitbilder mit privaten Fotos gemischt wurden, dazu Texte, die das Publikum zum Dialog aufforderten, der Einblick in die Wochenendplanung… Die perfekte Symbiose dieser Faktoren hat Chiara Ferragni zu einem der größten Vorbilder der Szene gemacht. Und sie damit schließlich zur Millionärin.
An die Millionen denken die meisten Hobbyblogger sicher noch nicht, erhoffen sich aber zumindest andere Vorteile durch ihre Arbeit. Kleinere Geldsummen, Testprodukte, Eventeinladungen und die persönliche Anerkennung. Das sind die großen Benefits eines Web-Log Autors. Um diese zu erwerben, gehen die ursprüngliche Idee und damit die Authentizität der Person aber gern mal flöten. Ein Beispiel: Ein wunderschöner Herbstsonntag. Die Bloggerin erzählt bei Snapchat, dass sie gerade aufgestanden ist, sich schnell fertig gemacht hat und jetzt mit ihrem Freund Fotos machen geht. Kurz darauf ein weiterer Snap: „Wir sind jetzt fertig mit Shooten und weil das Wetter so schön ist, ziehe ich mich nun um und wir machen noch weitere Outfitbilder!“
Warum? Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass es für (vor allem berufstätige Hobby-) Blogger nicht immer leicht ist, im Alltag die Zeit und das Licht für die perfekten Bilder zu finden- ich möchte mir keine künstlich drapierten Outfits angucken. Was wir wollen ist Inspiration. Echte Looks von echten Menschen in echten Situationen. Ich trage keine Pumps im Alltag. Und schon gar nicht im Wald. Und nackte Beine im November sind mir dann doch etwas zu frisch.
Vielleicht gibt es diese Menschen, die ganz in Echt solche Kombinationen ausführen. Die nicht frieren. Und niemals auf Glatteis ausrutschen. Dass genau diese Minderheit jetzt aber im Bloggerbusiness tätig ist, wage ich zu bezweifeln.
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Ich bin auch ein Blogger. Wenn man mich so nennen darf. Ich poste nicht täglich. Mein Freund ist kein professioneller Fotograf. Meine Mutter hat keine Chanel Handtasche. Ich esse Fleisch. Ich vermeide es Sport zu treiben. Meine Haare sind dünn. Ich trage selten High Heels. Ich muss meine Bestellungen auf Net-a-Porter und Mytheresa selbst bezahlen. Ich habe einen Job. Damit Verpflichtungen und nur 30 Tage Urlaub im Jahr.
Nicht die besten Voraussetzungen? Aber ich mag es zu Schreiben. Ich mag es Momente festzuhalten. Und wenn sich auch nur ein einziges anderes Mädchen dafür begeistern kann, dann habe ich schon viel erreicht.